Sonntag, 05.12.2021 11:15 Uhr

Gedanken zu Heinrich Federer

Verantwortlicher Autor: Schura Euller Cook Wien, 07.10.2021, 15:55 Uhr
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Wien [ENA] Eine Volksabstimmung in der Schweiz im September 2021 hat die "Ehe für alle" befürwortet. Damit hat sie wie andere Länder die gleichgeschlechtliche Ehe legalisiert und damit ein langes Kapitel der Vorurteile und harten Bestrafung von Homosexualität abgeschlossen. Noch 1902 erregte der Fall des schweizer Priesters und Schriftstellers Heinrich Federer Aufsehen, dem homoerotische Neigungen vorgeworfen wurden.

Zum Eklat kam es 1902 als er in einem Hotel am Stanserhorn mit seinem 12jährigen Privatschüler eine Nacht verbrachte. Der Bewohner des Nachbarzimmers alamierte gegen Morgen den Hotelier und dieser die Polizei. Im Zuge eines Prozesses wurde das Urteil in zweiter Instanz auf den Tatbestand der Erregung eines öffentlichen Ärgernisses gemildert und auf die Busse von 300 Franken reduziert. Trotzdem verlor Federer seine Reputation und seine Arbeitsstelle bei der Neuen Zürcher Zeitung. Erst nach 20 Jahren wurde er in der NZZ durch einen Artikel von Eduard Korrodi rehabilitiert. Vertieft man sich in die Werke von dem danach sehr berühmt gewordenen Schriftsteller, lernt man einen großen Menschenfreund kennen.

Ob es sich bei Federers homoerotische Neigung nur um überzärtliche väterliche Gefühle handelte, die ihn in Konflikt mit der Gesellschaft brachten, oder einer Sehnsucht nach körperlicher Nähe zu einer unreifen Persönlichkeit, wurde nie ganz geklärt. Wenigstens zeichnet er in seinen literarischen Werken wie "Berge und Menschen, Umbrische Reisegeschichten oder Das Zahnweh der kleinen Agna" mit unheimlicher Zärtlichkeit, Fürsorge, Scharfsinn und Menschenkenntnis Figuren, die er tief in ihrem seelischen Wesen erfasst. Dass er sie oft in der schweizer Heimat und Bergwelt verwurzelt, in der sie ihre charakteristische Prägung erfahren und ihr zutiefst eigenwilliges und authentisches Wesen entfalten, spricht für den Menschenfreund Heinrich Federer.

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