Mittwoch, 27.10.2021 23:46 Uhr

Reiseseele nach Georgien

Verantwortlicher Autor: Stephan Zurfluh Zürich, 18.08.2021, 10:05 Uhr
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Sonnenuntergang auf der Fähre
Sonnenuntergang auf der Fähre  Bild: Stephan Zurfluh

Zürich [ENA] Unterwegs mit der Fähre MS Vilnius von Odessa nach Poti. Das Ziel Rize die Teehauptstadt. Langsam reisen, damit die Seele mitkommt. Per Zug in die Ukraine und Überfahrt auf den Schwarzen Meer. Es ist eine Reise voller Überraschungen und Begegnungen. Eine Alternative zum Flug.

Es beginnt schon bei der Buchung, im Internet hat Ukrferry eine Plattform geschaffen. 14 Tage vor der Reise wird der Fahrplan aufgeschaltet, eine Woche vorher die Buchungsmöglichkeiten. Die Kabinen können gewählt werden, bezahlt wird mit Kreditkarte. Der Reisebetrag wurde abgebucht und das System meldete, dass die Zahlung nicht geklappt hat. Es kann passieren, dass ein Schiff ausfällt und automatisch umgebucht wird, bei mir dauerte die Reise einen Tag länger und führte nach Poti statt Batumi. Bei der Buchung kein Ticketausdruck möglich. Willkommen mit E-Ticket wie beim Flug? Am Ende doch, man konnte sich das Ticket in einem Büro vorher abholen. Jedoch geht es auch so am Check In. Ein Ticket gibt ein gutes Gefühl.

Ukrainischer Nachtzug, Essen gibt's am Bahnsteig
Die erste Einfahrt zur Fähre
Gedeckter Tisch an Bord

Das Gebäude für den Check In ist einem Niemandsland in Tschornemorsk, 30 km vor Odessa. Kein Café, oder sonstige Annehmlichkeiten, nur draussen, ein überdachter Wartebereich. Der Zugang zu den Toiletten gesperrt. Ins Gebäude wird nur reingelassen, der einen Propusk hat, eine Erlaubnis. Da bleibt nur die 700 m entfernte Tankstelle, mit der einzigen Möglichkeit Lebensmittel zu kaufen. Daneben ein verruchtes, sehr sympatisches türkisches Restaurant.

Dennoch, die nächsten Schritte sind wie beim Flieger, zumindest für Passagiere ohne Fahrzeug. Bei Autofahrern kann es lange dauern, bis man auf dem Schiff ist, 6 Stunden. Auf der Liste werden die Passagiere abgehakt, ab geht’s zum Warteraum. Später Gepäckkontrolle, Passkontrolle und ein Bus der ein paar Meter zum Schiff fährt. Sich in den Bus mit dem Gepäck zwängen, für was? Wieder eine kurze Kontrolle am Schiff und später an die Rezeption. Dort ist es beengt und kompliziert, warum es so lange für die Schlüsselübergabe dauert, keine Ahnung. Man hat Zeit.

Dreimal am Tag gibt es Essen, es wird jeweils durchgesagt. Typisch ukrainische, gute, reichliche Küche. Die Essenszeit beträgt 30 Minuten, die Tische sind reichlich gedeckt. Ein Kaffee zum Frühstück? Fehlanzeige, muss in der Bar später gekauft werden. Dort sitzen zwei Passagiere, die den Alkohol frönen.  Auf dem Schiff ein Leben ohne Internet. Stattdessen Erholung, Ruhe und das Meer. Freizeitangebote, Sauna oder Pools, Fehlanzeige. Die MS Vilnius ist eine Fähre, gebaut 1987 in Wismar, im Guiness Buch der Rekorde, weil sie die meisten Eisenbahnwaggons aufnehmen kann. Neben Eisenbahnwaggons werden LKWs, ein paar Autos und Motorräder transportiert.

50 Stunden dauert die Fahrt nach Poti, inkl. 10 Stunden Tankpause, über 1050 km werden zurückgelegt. Getankt wird auf dem Meer, zehn Stunden liegt die Fähre neben dem rumänischen Tankschiff. Wahrscheinlich werden so Steuern gespart. Alle sind glücklich an Bord zu sein, für die Fahrer hat die Einschiffung lange gedauert. Sechs Kontrollpunkte mussten passiert werden. Chaotisch halt, wie die Ukraine eben ist, und doch alles noch klappt. 

Durch das Essen, und vor allem auf den Decks ergeben sich Kontakte. Junge Leute, die ein Auto nach Georgien bringen, Bergsteiger, der seine geheimen Plätze hat, die Uniprofessorin, mit viel Material für ein Ausgrabungsprojekt, Rucksacktouristen, wo der Weg das Ziel ist, die LKW Fahrer, die leider auch Tiere zur Schlachtung transportieren.  Über 100 Passagiere sind an Bord, jeder mit seiner Geschichte. Für die meisten, Teil der Arbeit und eine gute Erholung, bevor die LKW Fahrt weitergeht.

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